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Anfang diesen Jahres kam in mir der Wunsch auf, etwas ganz Großes zu klettern. Und zwar die Direkte Superlative am Großen Wehlturm. Mich beeindruckte das Foto im Heinicke Kletterführer und die Tatsache, das die Superlative seinerzeit die schwerste Tour der Welt gewesen sein soll.
Das Problem an der Sache war nur, dass ich zu diesem Zeitpunkt ein paar ganz wenige IXa's, keine IXb und erst recht keine IXc in der Sächsischen vorgestiegen war. Also scharwenzelte ich in Gedanken immer mal zum Turm, in der Realität aber nur ein mal abends, um wenigstens mal einen Blick auf die Tour zu werfen, denn ich war noch nie auf dem Großen Wehlturm geklettert.
Das Wochenende vom 8.6. zum 10.6. brachte Tim, Frank und mich mal wieder ins Elbi. Der Samstag an der Kaaba zeigte, dass ich klettermäßíg ganz gut in Form war, aber moralisch eher nich so.
Frank war es dann, der mich immer mal wieder auf meine Ankündigung ansprach und sagte, los jetzt geht?s zum Wehlturm. Es gab also kein Entrinnen mehr. Gegen 11 Uhr standen wir am Einstieg, die Sonne war nicht mehr in der Tour, hatte aber schon genug Zeit gehabt, um den Regenguss der Nacht zu trocknen.
Der 1. Ring steckt etwa in 10m Höhe. Bis dahin geht es durch relativ brüchiges Gelände, welches vielleicht Schwierigkeiten um VIIIa fordert. Zwischendurch fädelte ich umständlich eine Sanduhr, in die ich mich auch reinsetzte. Es sollte die erste von vielen Pausen werden. Denn vom Rotpunkt war ich so weit entfernt, wie Indien von den USA. Der 1. Ring ist schwer zu klinken und es würde wohl knapp über dem Boden enden, wenn man beim Klinken fällt und in besagte SU rauscht. Vorausgesetzt sie hält. Zum Glueck musste ich dies nicht testen, es gelang sturzfrei den Ring zu klinken. Nun gut, dies war getan. Es folgte eine schwere Passage, für die ich einige Anläufe benötigte, in welchem ich öfter überlegte, den Vorstieg doch an Frank abzugeben. Denn die eigentliche Schwierigkeit sollte ja erst weiter oben kommen und ich fühlte mich nicht so im Kletterfluß und hatte darüber hinaus schmierige Hände. Doch schon nach 2,3 harten Moves nach dem 1. Ring werden die Griffe besser, als es von unten aussieht: kleine, aber tiefe und positive Mulden. Es ging sehr sicher zum 2. Ring. Das gab mir Auftrieb für die nun folgende Crux. Frank hatte angekündigt, dass man schon 2m über dem 2. Ring steht, wenn man die Crux klettert. Dementsprechend positiv überrascht war ich, als ich sah, dass es doch noch relativ nah am Ring ist. Ich verbrachte eine knappe Stunde an diesem Ring. Ich bekam 2 kleine Griffe in die Hand, mit denen es mir aber nicht gelang, die Füße ordentlich hoch zu kriegen um den Dynamo zu einer guten Mulde zu machen. Dieser Griff, zu dem man hin sollte kam mir so weit weg vor, dass ich zwischendurch den Mut verlor und meinte, ich schaffs nicht. Doch irgendwann entdeckte ich ganz links einen per Tickmark (kleiner Strich im Fels, der anzeigt, wo der Griff ist) angestrichenen Griff, den ich die ganze Zeit übersehen hatte. Freudig erzählte ich dass meinem getreuen Sicherungsmann Frank (an dieser Stelle: Dankeschön fuer Deine Geduld!), der sagte, dass ist bestimmt ein Tritt. Na toll?
Aber es war kein Tritt, sondern ein ganz passabler Griff. Es gelang mir beim ersten Versuch mit diesem Griff die Füsse zu stellen und den entscheidenden Griff zu erreichen. Man klettert nun in ein großes Loch und kann von dort den 3. Ring klinken. Nachdem ich das getan hatte, folgte das obligatorische: "Frank, zu!"
Die an Rast an Eisen 3 war kurz. Es folgte eine ca. VIIIc-Passage zum 4. Ring. Dort holte ich Frank nach, der Wasser mit hoch brachte. Ich war nun geistig und körperlich ausgepumpt, aber vorbei wars noch nicht. Denn zum 5. Ring ist es weit. Zwischendurch sollte zwar eine SU liegen, doch Frank wusste nicht mehr wo. Also los. Los jetzt. Reiss Dich zusammen. Also wieder weg vom Ring. Ich kletterte unsauber und nervös und erschöpft, aber es ging hoch. Fast hätte ich die SU übersehen. Es war ein Kraftakt, sie zu fädeln. Ich bekam eine Nähmaschine und wäre bei einem Sturz wohl Frank auf den Kopf gefallen. Er sagte nichts und war bestimmt genauso froh wie ich, als sie gefädelt war. Ich ruhte mich wieder aus und krampfte dann zum 5. Ring hoch. Dort wartet die Crux der Originalen Superlative. Ebenfalls mit IXc bewertet. Aber nun wollte ich da hoch. Im 2. Versuch konnte ich meine Hände richtig sortieren und nach oben steigen. Es bleibt 5m anhaltend schwer. Ich wollte nicht stürzen, weniger wegen der Angst vorm Sturz, als vielmehr, weil ich so ausgelaugt war, dass ich die schwere Passage nicht noch mal klettern wollte. Deswegen hielt ich mich fest. Dann kommt endlich leichteres Gelände, aber ohne Ring. Umständlich bastelte ich eine Plattenschlinge und drüber eine Quer-SU. Ich wollte mich in die obere fingerdicke SU reinsetzen, um die untere Schlinge sauberer zu basteln. Während ich zart die SU belastete brach sie aus, aber zum Glück hatte ich die Finger noch an der Wand und fiel nicht. Also Flucht nach oben. Vorbei an einer Dauerschlinge und einer weiteren SU. Dann ist es eigentlich geschafft. Noch ein etwas wackeliger Zug und man steht auf dem Absatz vom AW. Ich war total fertig, alle möglichen Gedanken gingen mir durch den Kopf. Frank kam nach und sagte, in den folgenden 20m des AW (IV) gibt es noch 2 Ringe. Das freute mich, denn ich war so ausgelaugt im Kopf, dass ich sogar vor der IV Respekt hatte. Es ging aber wirklich leicht hoch. Auf dem Gipfel wollte ich eigentlich meinen Emotionen freien Lauf lassen und meine Freude rausschreien. Doch nur wenige Meter entfernt standen Touris und guckten und fotografierten. Da war mir das zu peinlich. Frank kam nach und wir freuten uns. Beim Abseilen verlor er leider noch einen seiner Kletterschuhe, trug es aber mit Fassung. Es ging noch zum Langen Israel und abschliessend in die Hocksteinschänke, wo wir den Erfolg mit Bier und Eis feierten.
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