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Uni, USC und Unternehmertum - Werner Scholz im Interview PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 21. Mai 2009 um 00:00 Uhr

Vereinschef Werner Scholz im Interview über das 60. Jubiläum und Leipzigs Club Kuriosum

600 Jahre Universität, 60 Jahre Universitätssportclub (USC) Leipzig – über Freud und Leid sowie über Pläne zur Jubiläumsfeier und Zukunftsvisionen erzählte dessen Vorsitzender Werner Scholz auf dem LVZ-Stadtsofa.

Frage: Mit dem SC DHfK, der HSG DHfK und dem USC verfügt Leipzig praktisch über drei existierende universitäre Sportvereine – ein deutschlandweit einzigartiges Kuriosum. Wie fühlt man sich als kleinster unter ihnen?
Werner Scholz: Der Status quo hat bekanntlich historische Hintergründe, hat primär mit der Abwicklung der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport sowie deren Eingliederung in die Uni zu tun. So sind der SC DHfK mit seinen gut 5000 Mitgliedern als Leistungs- sowie der HSG DHfK mit über 2000 Mitgliedern als breitensportlicher Verein dazugekommen. Sie sind zwar größer, wir aber älter. Wir können sowohl als auch damit leben. Jeder hat sein eigenes Profil und die Studenten profitieren davon. Nicht zu vergessen das Zentrum für Hochschulsport, wo Studenten teilweise kostenfrei ihren Freizeitsport ausüben können.

Universitätssportclub – da gibt es doch sicher eine bevorzugte Behandlung in den Uni-Sportstätten?
Das in Leipzig besonders heikle Thema Sportstättennutzung berührt auch uns. Wie das Beispiel Verlust der Schwimmzeit in der Mainzer Straße für unsere Versehrtensportler zeigt, genießen wir keinerlei Sonderrechte. 

Gab es Bestrebungen, sich in die allgemeinen 600-Jahr-Feierlichkeiten der Universität einzuklinken?
In diesem Zusammenhang habe ich frühzeitig das Gespräch unter anderem mit dem Dezernat für Öffentlichkeitsarbeit und der sportwissenschaftlichen Fakultät gesucht. Es entsprach unseren Intentionen, als zwischenzeitlich seitens der Uni über die Ausrichtung der internationalen Studentenmeisterschaften in den Ballsportarten nachgedacht wurde. Die Bewerbung ist aber aus verschiedenen Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann, letztlich nicht realisiert worden. Das Interesse, dass wir uns anderweitig – beispielsweise mit dem Citibank-Cup im Basketball – einbringen, ist auf ein nicht so großes Interesse gestoßen. Letztlich sind wir in die offiziellen Feierlichkeiten nicht eingebunden.

Fällt der 60. Geburtstag demnach aus?
Nein, keinesfalls. Anfang Mai zum Gründungstag fand eine Hauptausschusssitzung statt, auf der wir uns ein wenig gefeiert und auf das Kommende eingestimmt haben. Neben kleineren Veranstaltungen wird es Anfang September ein großes Sport- und Spielfest aller Abteilungen rund um das traditionelle Basketball-Turnier in der Arena geben. Diese Spiele werden auf den Freitag und Sonnabend konzentriert mit einem Abschlussspiel am Abend. Danach wird so lange gefeiert, wie es geht.

Wo wird der USC zum 70. Geburtstag stehen?
Ich gehe davon aus, dass wir uns weiterhin in etwa 15 Abteilungen mit zirka 750 Mitgliedern bewegen werden, weil aus meiner Sicht der Trend des Mitgliederverlusts durch fehlende Nachwuchsarbeit bereits nicht nur gestoppt, sondern umgedreht werden konnte. Dieser Optimismus erwächst aus der Tatsache, dass wir jetzt insgesamt deutlich besser aufgestellt sind. Die derzeitige Dominanz der Abteilung Basketball wird dadurch wahrscheinlich ein bisschen zurückgedrängt, was für den Gesamtverein durchaus positiv sein wird.

Wäre es nicht sinnvoll, die drei Uni-Vereine miteinander zu verschmelzen?
Vom Grundprinzip ja. Doch muss zuvor die Frage beantwortet werden: Welchen Nutzen hat eine Fusion für die Mitglieder, die einzelnen Abteilungen respektive für den Großverein? Es geht hierbei gar nicht um Ideologien à la „Es darf nur einen Uni-Sportclub geben“. Fakt ist: Ein Verein ist ab einer bestimmten Größe händelbar, wenn er wie ein Unternehmen geführt wird. Die Zusammenführung von zentralistischen und föderalen Strukturen ist aber bekanntermaßen ein Problem. Und: Konzentrationsprozesse gibt es wie in der Wirtschaft auch im Sportbereich, so dass selbige in einem gewissen Maße auch Sinn haben.

Beispiel?
Ein großer Verein kann bei Investitionen ganz andere Dimensionen angehen, weil der für eine öffentliche Förderung immer geforderte Eigenanteil deutlich einfacher aufgebracht werden kann.

Das ist doch eine ganz klare Ansage: „Her mit der Fusion!“?
Nein, in der jetzigen Struktur ist der USC definitiv auch allein überlebensfähig, wir haben keine Not zu handeln. Nichtsdestotrotz sind wir für sinnvolle Veränderungen immer ansprechbar.

Sind Rektor oder Kanzler Mitglied im Uni-Sportclub?
Bislang nicht. Freuen würden wir uns natürlich. Wir werden beide aber zu unseren Jubiläums-Feierlichkeiten im September einladen.

Interview: Martin Pelzl

 

 

 

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